Richard Rorty


„Unsere unverbrüchliche Einzigartigkeit besteht in unserem poetischen Vermögen, einzigartige und dunkle Dinge zu sagen, nicht in unserem Vermögen, gewisse Trivialitäten nur zu uns selbst sagen zu können.“ (Richard Rorty)
Das ist ein schöner Satz. Ihn hätte ich früher lesen müssen, ich hätte ihn schon am Anfang des Entstehens meines Blogs als Motto verwenden können. Besser spät als nie. Ob die Dinge, die mir auf der Zunge liegen nun dunkel oder einzigartig sind, das ist dahingestellt. Ich entnehme den Reaktionen mancher Leser, dass gewisse Beiträge meines Blogs eher dunkel sind, was Verständlichkeit oder besser, die Abwesenheit von Verständlichkeit, anbetrifft. 
Richard Rorty war als Philosoph Hauptvertreter des Neo-Pragmatismus, in der Tradition seiner berühmten amerikanischen Vorgänger John Dewey und Charles Sanders Pierce. Was ihn mir sympathisch macht: Er verweigert sich dem Anspruchsdenken der Philosophie, dass ihre Aussagen stets objektiv gültige, einem absoluten Wahrheitsbegriff unterworfene Aussagen zu sein hätten. Wahrheit und objektive Realität sind für Rorty keine geeigneten Begriffe oder Konzepte, mit denen sich die moderne Welt erkenntnistheoretisch erfassen ließe. Sie seien nichts anderes als der moderne Ersatz für gedankliche Konstrukte wie Gott, Geist und Vernunft, wie sie in der Neuzeit der Philosophiegeschichte vorherrschten und zu Zeiten der Aufklärung ihren Höhepunkt erlebten.
Rorty hat sich in den Jahren vor seinem Tod im Jahr 2007 ganz von seiner philosophischen Lehrtätigkeit verabschiedet und war zuletzt Professor für vergleichende Literaturwissenschaft an der Stanford University in Kalifornien.  Eine wie ich finde logische Folge seines anwachsenden kritischen Verhältnisses zu der Tradition u.a. der analytischen Philosophie. 
„Es gibt keine Wahrheit. Was könnte das heißen? Warum sollte irgendjemand dergleichen behaupten?“ (Richard Rorty)
Rorty hat für die oben gestellte Frage nach der Wahrheit eine pragmatische Antwort parat: Es ist nicht wichtig nach Wahrheit zu streben. Es ist nicht wichtig zu erkennen, was Wahrheit bedeuten könnte. Es ist nicht wichtig, Wahrheit überhaupt erkennen zu wollen. Wichtig für ihn ist: Was kann Philosophie  leisten in Bezug auf die drängensten Fragen der Gegenwart? Was kann sie leisten bei der Linderung menschlichen Leids? Was kann sie leisten im Hinblick auf die Toleranz gegenüber Andersdenkenden? In Hinblick auf die Hilfe für unterdrückte Minderheiten? 
Die menschliche Vernunft existiert nicht unabhängig von der sozialen Realität. Sie darf sich nach Rorty nie in den Elfenbeinturm theoretischer Betrachtungen des Menschseins zurückziehen. Sie hat stets zu bedenken, dass sie nur im Dienst der Linderung menschlichen Leidens ihre sittlich-pragmatische Daseinsberechtigung findet.
Für Rorty steht außer Frage, dass die Literatur eine wesentlich wirksamere Rolle in der Erfüllung dieses humanistischen Zieles ausübt. Wirksamer als die Rolle der Philosophie es je sein könnte.
 
Kategorien:Gedanken, Philosophie, Richard RortySchlagwörter: , , , , , , ,

1 Kommentar

  1. Interessante Schlussfolgerung. Ich habe noch nie ein philosphisches Werk gelesen, aber meine Buecher inspirieren mich oft zum philosophieren. Danke fuer diesen Beitrag! Peggy

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