Gurkenkaiser, sexistische Kackscheisse und huis clos


Da sitzen sie in ihren Schützengräben und wedeln nicht mal mit der weißen Flagge. Wollen sie nicht, schließlich ist Krieg und nur sie gehen hin. In der Genderdebatte, in den Diskursen um Antisexismus, Antirassismus und Feminismus geht es bisweilen zu, als säße eine Horde von Kleinkindern im Sand, um sich gegenseitig ihre Förmchen zu klauen. Diese Förmchen sind in der Regel Arten ideologiegewandeter terminologischer Deutungshochheitsansprüche, die mich ein bißchen an die sogenannten „Luftüberlegenheitsjäger“ des Militärs erinneren. Aber martialisch gehts dort halt schon zu, unbedingt.
Das Ziel der Debatten ist für alle der beteiligten Peergroups das gleiche, irgendwie, und es ist auch mein Ziel. Aber es ist in der Kakophonie von gegenseitigen Belehrungen, Argumenten ad hominem, semantischen Verschiebungen und unterschiedlichsten Jargons der Eigentlichkeiten, Herabwürdigungen und Kleinrednereien so unscharf geworden wie ein Pfeffersteak ohne Pfeffer. Tröstlich ist das nicht, aber eine Wahl scheint es nicht zu geben, vielleicht ist es auch nur der graue Star in meinem Auge, da kann man schnell mal die Orientierung verlieren. Wer Orientierung will, der hat sich erst einmal mit den verschiedenen Dresscodes und Labels der Bewegungen innerhalb der Bewegungen auseinander zu setzen. Der muss sich durch Familienaufstellungen quälen, die nur so von Selbstbezüglichkeiten und selbstsuggerierenden Zusammenhalten strotzen. Wo es die ganze Palette politischer Haltungen gibt, von A wie antikapitalistischer Sozialismus bis hin zu A wie anarchisch.
Das ist in etwa mit einem Zug durch die Diskotheken zu vergleichen, wo man tendenziös gefärbte Meinungen und ideologisch verbrämte Haltungen vorzuweisen hat, um in die heiligen Gralshallen der geschlossenen Gesellschaften zu gelangen. Und die Türsteher dieser Hallen erst. Mir war bis dato nicht bewusst, dass sich auch in der Blogosphäre inzwischen jede Menge Dampfplauderer und intellektuell oberflächlicher Idioten tummeln, wie wir sie unter unseren sogenannten Politikern als unerträgliche Begleiterscheinungen eines dummdreisten Marketingbetriebes zu Recht geißeln. Oberflächliche Idiotie meint hier ausdrücklich, dass sich vorhandener Intellekt in unsinnigen, bündlerischen Affekten sinnbefreit verausgabt. (Eine absolute und wohltuende Ausnahme stellt für mich der Blog von Antje Schrupp dar. Lesenswert, weil unaufgeregt und fundiert und auf Ausgleich und Vermittlung bedacht).
Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder, so in  der Art etwa. Die Jakobiner radieren die Girondisten aus, die Jakobiner und deren Robbespierres landen auf dem verbal exekutierenden Schafott. Am Ende kommt dann die Restauration in Form von Familienministerin Kristina Schröder dahergelatscht und erläutert eben mal im Vorbeigehen, warum sich die Emanzipationsbewegten ihr Glück in privatverträglichen Verträgen suchen müssen. Und alle heulen sich in die Kissen und fragen sich, warum Revolution wieder in die Utopie zurückgedroschen wird.  
Jetzt sei es mir erlaubt, zwei Beispiele anzufügen, die mich vollends davon überzeugt haben, dass  Gallespucken, wenn sie einem schon hoch kommt, ein befreiender Akt sein kann. Geschehen auf dem Blog von DerGurkenkaiser. Dort habe ich, naiv wie ich bin, ein paar Kommentare mit dem Nick „ramblingbrother“ hinterlassen.  
Der Stil der Kommentare war bewusst auf Polemik abgestellt. Wenn schon der Titel des Beitrages „Maltistische Kackscheisse“ kein politisch korrekter und im Übrigen eine Replik auf einen in der Szene Furore machenden Blogbeitrag von Malte Welding ist, der sich mit „sexistischer/rassistischer Kackscheisse“ (jawoll!) beschäftigt), so sollten meine Beiträge wenigstens nicht wie Lämmchen daherkommen, die man zur Schlachtbank führt. Auf die Schlachtbank wurden sie aber geführt. Das ging Ruckzuck. Am Ende wurden dann weitere Kommentare von mir nicht mehr zugelassen. Ich nehme das sportlich. Würde ich in diesem, meinem Blog nie machen, aber egal (ist ja auch kein Politblog, wo man sich mit verbiesterten Kommentaren rumzuschlagen hat).  
Nachdem ich einen von Gurkenkaisers Reposts als rabulistisch bezeichnete, wurde ich auf den Sachverhalt aufmerksam gemacht, dass das Wort „Rabulistik“ ja wohl negativ konnotiert,  wegen seiner häufigen Verwendung in Josef Goebbels Hasstiraden auf das Judentum und deswegen als antisemitisch zu brandmarken sei, was dann auch geschah.  Dass das  Nazischwein Goebbels auch das Wort „Deutsch“ in den Mund genommen hat, darf als erwiesen gelten.  Ich muss in Zukunft aufpassen, dass ich es nicht mehr verwende, weil: Nazi, weil Antisemit??
Der bizarre Streit uferte aus, nachdem ich „zwinkernd“ der  Dame mit dem antisemitischen Vorhalt (ich nenne sie so, obwohl es postfeministisch eine Frechheit und Anmaßung ist, wie es nur einem weißen, heterosexuellen und privilegiertem Mann von der Lippe kommt,  aber scheiss drauf) anbot, ihr gerne behilflich zu sein bei der Aufklärung über den Wortstamm von „Rabulistik“. Und dass ich in diesem Fall dieses Wort niemals haftbar machen würde für seine jeweilige historische Verwendung. Punkt.  Meine diesbezüglichen Kommentare wurden da bereits nicht mehr zugelassen. 
Die Dame jedoch exekutierte mein „Zwinkern“ kurz und bündig mit: „Eklige Männer die zwinkern sind eklig“. Wenn man sich das mal semantisch auf der Zunge zergehen lässt, heißt das wohl: Männer sind per se eklig, ob sie zwinkern oder nicht. Da bin ich gottfroh, dass mir das Schnipp Schnapp, Schwanz ab dann doch erspart blieb. 
Der ganze Thread ist für Interessierte im oben genannten zweiten Link nachzulesen. Schönes Wochenende noch.
 

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1 Kommentar

  1. du hast sowohl meinen usernamen als auch den titel meines Texts falsch wiedergegeben. just sayin‘

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