Homer sweet Homer


home sweet home
Home sweet Home

Home, castle, sweet. Mein Kollege, by the way, ein junger Halbgott, weil Halbgrieche, liegt mir seit Wochen in den Ohren, den Tempel der Erleuchtung, die Sakristei der Ideen, den Altar der Andächtigkeiten aufs Kamerakorn zu nehmen. Mein Herz ist weich und mein Erbarmen gibt  momentan jedem Wunsch nach. Obwohl Dimitrios kein Kenner der englischsprachigen Lyrik ist (er hat andere Sorgen und andere Qualitäten, Eurorettungsschirm und Webprogrammierung, ihr wisst schon), drängte er mich, meine Wohnung aus der Dylan Thomas Gedächtnisperspektive auf Platte zu bannen. Also Suff, Kreativität (in bescheidenen Dosierungen), Chaos und Entropie. Mit Leichtigkeit (ich trage im Sommer keine Socken, die mich runter ziehen könnten) und dem unbarmherzigen Blick eines Laien geschieht hier nun das Unvermeidliche.

Es heißt, die eigene Wohnung sei der Fingerabdruck der Seele (oder ist es umgekehrt?). Wenn ich sie mir so anschaue, scheint meine Seele ein ganz schön bunter Haufen zu sein. Oder so etwas wie chloroformierendes, steriles Weiß in Weiß. Oder etwas total Unaufgeräumtes, Iris Murdoch like, in den Tagen ihrer Demenz. Eine Müllkippe belletristischer Artefakte. Schiefe Lampenschirme als Äquivalente meiner Schrägheit. Und eine Robbe als Wink des Meeres (aaaaahhhhhh!! Das Meer, das Meer). But, beggars can’t be choosers. Aus der Walnussschale einer Altbauwohnung im vierten Stock eine Lifestyle Marmorperle zu schaffen, dazu fehlt mir die Lust zum Detail. Obwohl ich der festen Überzeugung bin, dass aus innenarchitektonischem Chaos Ordnung entsteht, sofern man immer hübsch am Prozeß des Möbelrückens feilt und festhält. The heart is an unquiet house. Ich finde, das sieht man dieser Wohnung an.
Drücken Wohnungen Leidenschaften aus? Beherbergen sie wie griechische Urnen und Vasen den ganzen Bodensatz individueller Geschichte und der eingebetteten sozialen Geschichte gleich dazu? So nach der Manier von Alfred Tennyson?: „That which we are, we are. One equal temper of heroic hearts, made weak by time and fate, but strong in will, to strive, to seek, to find and not to yield.“
Auf der anderen Seite hat es Inspector Lewis (aus der englischen Serie LEWIS, sic!!) sehr schön formuliert: „But then I realized that passion is something that only happens to other people. In life, in books, in paintings, but never to me and never at HOME“. Seufzer.
Diese Aufnahmen sind ein Geschenk an meinen griechischen Freund und Kollegen. Er mag mir verzeihen, wenn ich auf ein Gegengeschenk verzichte. Denn bei Vergil heißt es: „Ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen.“
Sünder, gottvergessen, machen vieles wett, Fiedeln für ein Essen, Küssen für ein Bett (Dorothy Parker).
I asked to be no other man than I am (Sophokles)

Sind es Hundsrosen? Keine Ahnung. Gewiss ist nur, dass sie welken.

I’ve lost all feeling in my right leg, but aside from that, it’s very comfortable.
The Iris (Murdoch) school of interior design.
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8 comments

  1. Lieber Achim.

    herrlichen herzlichen Dank für die Einblicke!🙂 Ich mag deine eigenwilligen Fotoreportagen sehr.

    Du hast noch deine VHSs… Seufz. Ich habe meine in den Keller verbannt, das fast unbenutze Abspielgerät noch nicht. Seufz.

    Ich habe „Cambridge“ von Peter Sager in deinem Reol entdeckt. Ist der lesenswert?
    Klausbernd ich wollen Anfang Februar ein paar Tage in Cambridge verbringen. Ganz oben auf der Liste steht das Fitzwilliam Museum, wir sind auch für weitere Anregungen dankbar.

    Liebe Grüße nach Freiburg
    Hanne

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    • Liebe Hanne,

      meine Wohnung ist da eigenwilliger als die Fotos🙂 Altbau, unter dem Firnis kleiner Restaurationen, nicht generalsaniert. Bei meinem Einzug gabs noch in jedem Zimmer ein separates Waschbecken, da die Wohnung ursprünglich aus separierten Studentenzimmern bestand. Im Laufe der 20 Jahre ist die Wohnung mir ans Herz gewachsen, obwohl ich sie 1993 nur vorübergehend beziehen wollte.

      Liebe Grüße aus dem grauen Freiburg

      Achim

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  2. Lieber Achim,

    das ist ja witzig, ich habe die gleichen Bücher wie du, nur anders geordnet, okay, das mag noch nicht verwundern, aber ich habe auch eine Robbe als Stofftier in meiner Bibliothek hocken. Sie bewacht die Eisecke.
    Ist es nicht erstaunlich, wie viele in ihren Bibliotheken auch Gegenstände, die ihnen ans Herz gewachsen sind, aufbewahren. Die Non-Books in Bibliotheken, das wäre ein ergiebiges Thema.

    Liebe Grüße vom heute grauen Dorf am grauen Meer
    Klausbernd

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    • Lieber Klausbernd,

      thx for looking by🙂 Als ich von den 15.000 Büchern las, die du besitzt (noch immer oder jetzt durch den Verkauf weniger?) habe ich erst mal schlucken müssen. Wenn ich mir überlege, wieviel Bücher ich in einem Jahr realistischerweise lesen kann (60 – 80), dann wären deine Bücher ausreichend, um uns beide, jeweils als mehrmals Wiedergeborene, lesend am Leben zu erhalten🙂 . Ich habe in den 80er Jahren mit meinem Umzug von Mainz nach Freiburg ca. 1000 Bücher vorab in Antiquariaten verkauft oder an meine Schwestern verschenkt. Vor einigen Jahren habe ich mich nur noch mit den Büchern umstellt, die mir wichtig und voller handschriftlicher Bemerkungen oder in irgendeiner Weise mit schönen Erinnerungen verbunden sind. Den ganzen anderen Rest habe ich einem befreundeten Antiquar hier in Freiburg vermacht.
      Wichtig für mich sind tatsächlich auch die Non-Books, wie du schreibst. Utensilien, die ebenfalls kleine Geschichte in sich tragen. Absonderlichkeiten, Sammelstücke und viel Kunterbunt. Ich wollte mir mal einige Zeit eine Robbensammlung anlegen, bin da aber wieder von ab. Vielleicht sollte ich das wieder aufleben lassen.

      Liebe Grüße aus dem graugansgrauen Freiburg.

      Achim

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  3. Liebe Achim,
    ich bin deinem Link gefolgt und habe mir mit großer Begeisterung deine „Homestory“ angeschaut. Was für eine tolle Idee. Deine Fotos strahlen auf mich einen sehr warmen Eindruck aus, ich glaube, ich würde mich dort wohlfühlen können: zwischen all den Büchern. Nur über den Fernseher müssten wir noch mal sprechen.😉 Viele deiner Bücher habe ich wiedererkannt – wie schön! Ich mag es total gerne, bei Menschen in die Bibliotheken zu schauen, rauszufinden, welche Bücher sie besitzen. Ähnlich spannend finde ich es, einen Blick auf den Schreibtisch zu werfen.
    Eine wirklich geniale „Homestory!🙂
    Mara

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    • Liebe Mara,

      Wärme entsteht durch die Reibungskräfte des Chaos🙂 Ich bin da weniger ordnungsliebend wohl wie du, wenn ich mir deine „aufgeräumten“ Bücherregale anschaue. Ich stehe demnächst vor der Frage, wohin mit den inzwischen neu hinzugekommenen Büchern. Neue Regale sind notwendig, nur wohin damit? Mal schauen, Platzmangel macht hoffentlich erfinderisch. Ja, der Fernseher, der eine, größere war von Sohnemann ausgeliehen, zur Zeit der Fussball EM🙂 Der andere Koloss auf dem Boden hat jetzt seinen Platz im Regal wieder. Wohldosiertes Chaos ist meine Devise. Die Art, mit der ich mit Büchern lebe, hat mehr mit Bucharbeit zu tun, als mit Sammelleidenschaft und Bibliophilie.

      Liebe Grüße

      Achim

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  4. Lieber Achim, Deine Wohnung drueckt mindestens eine Leidenschaft aus, die fuer Buecher. Ich finde, es gibt nichts, was eine Wohnung lebendiger und interessanter macht, als Buecherregale. Bei mir sind es wie bei Mara noch die alten Ikea Regale. Obwohl wir auch schon mehrmals umgezogen sind und einmal alles fuer ein Jahr eingelagert haben, als wir auf Reisen gegangen sind, kann ich mich doch nicht ueberwinden, Buecher wegzugeben. Und trotz aller Vorsaetze kaufe ich immer noch mehr Buecher als ich lesen kann. Mir hat mal jemand gesagt, dass mein Sohn fuer sein Alter (2) schon zu viele Buecher hat. Geht das ueberhaupt? Kann je ein Mensch zu viele Buecher haben?
    Danke fuer die Inspiration und Dir ein schoenes Weihnachtsfest, Peggy

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    • Liebe Peggy,

      danke für deinen lieben Kommentar. Die Buchleidenschaft ist zweifelsohne vorhanden. Ohne Bücher würde ich orientierungslos und ohne „Augen“ durchs Leben laufen🙂 Das Regal ist eine Hinterlassenschaft meines besten Freundes, den ich in Freiburg hatte und der leider verstorben ist. Er war Schreinermeister und wir hatten dazumal noch Pläne für weitere Regale. Die Liste der Bücher, die ich noch nicht gelesen habe, wird auch bei mir immer länger. Sie erinnern mich jeden Tag daran, sie endlich in die Hand zu nehmen. Ob ein Mensch zu viele Bücher haben kann, bin ich geneigt mit „Nein“ zu beantworten. Jedoch ist für mich wichtig, genau darauf zu achten, ob ich sie realistischerweise auch noch alle lesen könnte. Ich muss mich da mit Klausbernd und seinen 15.000 Büchern mal ernsthaft auseinandersetzen🙂 Einerseits finde ich die schiere Anzahl seiner Bücher beeindruckend, andererseits muss er ein „Leseberserker“ sein, denn so wie ich ihn erlebe, wird keins seiner Bücher nicht wenigstens einmal intensiv durch seine Hände gegangen sein. Und davor kann ich nur den Hut ziehen.

      Liebe Grüße

      Achim

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