Ich könnte, also bin ich


it could be worseDass mich die Welt des Berufes in ihren Klauen hat, spüre ich bevorzugt in den ersten Tagen eines Urlaubs. Die Stressstruktur der Arbeitstage treibt ihr korrumpierendes Unwesen und die hochfliegenden Träume der Freiheit und Freizeit beschreiben die Flugkurven des Ikarus. Eine Art sensorische Schüttellähmung macht sich breit. Dass die Freizeit vom Geschick der Arbeitsorganisation noch etwas lernen könnte, ist mir seit langem bewußt.
Ich bin nicht der Typ, der eingeschriebenes Mitglied im Club der Füßehochleger und Hängemattenbewohner ist. Auch nicht derjenige, der sich von Vergnügungsapparaten von früh bis spät bespaßen lässt. Für mich bedeutet Urlaub zuallererst  maximale Privatheit und die vorübergehende Hochzeit der Gefühle, die durch die Verfolgung meiner Interessen und Hobbies entstehen. Wobei dem Wort „Hobby“ in meinen Augen schon immer der Ruch anhing, nichts weiter zu sein als ein begriffliches Deckmäntelchen, das der überwältigenden Arbeitswelt ihren Stachel ziehen soll.
Die Frage lautet also: Wie beute ich die Freiheiten der Freizeit am wirksamsten aus? Wie schüttele ich die Lähmung ab? Die Lähmung, die uns packt, immer dann, wenn das Angebot an Möglichkeiten das Vermögen, diese zum Nutzen sinnlicher Befriedigung zu ergreifen, übersteigt? Die Geschichte der Philosophie hält einige schlaue Merksätze bereit, die an den Schnittstellen des Übergangs von einer Erkenntnistheorie zur nächsten sprichwörtliche Furore gemacht haben.
Unter den bekanntesten  hierunter sind sicher René Descartes‘  „Ich denke, also bin ich“ und Buddha’s „Wir sind, was wir denken“. In Abwandlung eines Sinnspruches von Marcus Aurelius steigt vor meinem geistigen Auge die philosophisch geadelte Lösung all meiner Freizeitprobleme auf. Aurelius sagte: „Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab“.Da sage ich nur „Heureka“ und schreibe hier für jedermann ins Gebetbuch: „Das Glück meines Lebens hängt von der Beschaffenheit bestmöglicher Organisation ab“. Ich organisiere, also bin ich!!
Wenn es doch so einfach wäre. Nach dem Bloggen könnte ich etwas Tiefgründiges lesen, oder mich an der Spannungskurve eines Krimis entlang hangeln. Andererseits ist tolles Wetter. Ich könnte photografieren gehen oder den Fischen beim Laichen zusehen. Könnte auch Äpfel klauen in Nachbars Garten. Könnte mich mit ihm über den Begriff des Eigentums unter Berücksichtigung seiner philosphiehistorischen Definitionen auseinandersetzen. Vielleicht ist aber in meiner ganzen Unentschiedenheit nur der folgende Satz der mir gemäße: „Ich könnte, also bin ich“.
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