Freiheit und Piraten


Die Piraten Freiheit Internet

Die Geschichte der Philosophie hat eine Menge an liberalen Freiheitsbegriffen parat. Unter diesen ist der Kant’sche kategorische Imperativ wohl der populärste. Andere Denker sehen vom natürlichen Recht auf Freiheit ab und verankern sie in einem vertragsrechtlich sanktionierten Austarieren ihrer Grenzen. Die Grenzen der Freiheit liegen dort, wo sie vermittels der Macht der Meinungsstarken beginnt, ihr Diktat den Meinungsschwachen und sonstigen Unorganisierten persönlicher Willensbildungen aufzuzwingen. Das staatliche Gesetz muss also dafür sorgen, dass die „Freiheit nicht zur Tyrannei der Starken über die Schwachen“ (Karl Popper) verkommt.

Und jetzt haben wir mit den „Die Piraten“ auf der Landkarte des Politischen eine Partei, die sich in ihren Geburtswehen dem üblichen Politikbetrieb versagt. Das Biotop der Nerds ist ihr Urzustand und ihre Keimzelle. Computerfreaks,  welche sich in den Rauschzuständen ihres nächtlichen Solipsismus einen eigenen Begriff von Freiheit basteln. Ihr Credo: die totale Teilhabe am virtuellen weißen Hintergrundrauschen der Meinungskakophonien und die immerwährende Generierung neuer Welten von Meinungsanarchien.
Ihr  rätedemokratisches Sprachrohr dabei ist der „Shitstorm“, mit dem sie abweichende Meinungen von Parteigenossen aus der Anonymität heraus flächendeckend überziehen, als hätten sie Flammenwerfer und Napalm zu ihren geistigen Waffen rekrutiert. Wie es da zu einem politischen Willensbildungsprozess je kommen kann, wird auf Dauer ihr Geheimnis bleiben. Alle gegen alle und jeder gegen jeden. Eine Sisyphos Aufgabe, um daraus eine politische Programmatik abzuleiten. Und illusionär ist es, auf eine Repräsentanz zu hoffen, die in der Lage ist, in diesem Chaos verlässliche politische Richtungen vorzugeben. Ob es reicht, das Furunkel am Arsch der Demokratie zu sein, nur um darauf hinzuweisen, dass diese an Verdauungsstörungen leidet?
Wenn diese Partei nicht im anonymen Quark einer historischen Fußnote enden will, wird sie den Weg allen Fleisches etablierter Parteien gehen müssen. Man wird sich also Aug‘ in Aug‘ gegenüberstehen müssen, um politische Programme abzusegnen. Man wird zu einem fairen und gerechten Diskurs aufrufen müssen, in dem das Stimmviehverhalten des „Shitstorms“ justiziabel wird.
Man wird sich bündeln müssen, anstatt sich sektiererisch aufzuspalten. Ein Kompass wäre anzuraten, damit das Kreiseln in alle politischen Richtungen ein Ende hat. Die Partei wird sich also auflösen müssen, damit sie sich neu gründen kann. Da war doch irgendetwas mit gordisch und Knoten?
Egal, irgendein Alexander wird sich schon finden lassen.

 

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1 Kommentar

  1. „Sie (die Massen) scheinen inbrünstig die Freiheit zu lieben, in Wirklichkeit weisen sie diese immer von sich und verlangen ständig vom Staat, ihnen Ketten zu schmieden.“

    Gustave Le Bon (Psychologie der Massen)

    Daran wird sich solange nichts ändern, bis der kollektive Wahnsinn der Religion überwunden ist (Erkenntnisprozess der Auferstehung): http://www.juengstes-gericht.net

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