Katz und Maus


Günter Grass

Da spielt der Günter Grass „Katz und Maus“ mit der öffentlichen Meinung. Er spielt „Hase und Igel“ mit der Qualität von Literatur. Wobei in seinem Fall schlechte Lyrik immer der Igel war, der sich den gut gemeinten Anstrengungen des Hasen auf gute Verse mit der Pfiffigkeit des Banalen widersetzte. Ob das immer so ist mit alten Männern? Aus unverzeihlichen Jugendsünden (Mitgliedschaft in der Waffen SS) und im Angesicht der eigenen Endlichkeit die moralische Wende als Moralkeule zu verkleiden und zu hoffen, dass da jemand ist, der das alles verzeiht? Das eigene schlechte Gewissen vor dem Weltgewissen zu verteidigen? In alten griechischen Dramen nannte man dies Unterfangen Hybris.
Obwohl ich keine Affinität zu monotheistischen Religionen habe, fällt mir die Kritik an Israel und an dem „auserwählten Volk“ der Juden keineswegs leicht. Davor bewahre mich die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Allerdings darf die eigene Geschichte nicht bis in Ewigkeit kritische Enthaltsamkeit gegenüber Israel zementieren, gerade dann, wenn sie nach  objektiven Kriterien und unbefangen von deutscher Geschichte angebracht ist. Und sie erscheint mir in einigen Sachverhalten sehr wohl angebracht. Allerdings befinde ich mich nicht im gleichen moralischen Dilemma wie Grass, dem der Vorwurf des Antisemitismus aus biografischen Sünden und Gründen immer entgegenschallen wird, drehe und wende er sich wie er will.
Das ist offenbar der Preis, den man zahlen muss, wenn man ein verunglücktes und künstlerisch mißlungenes Gedicht als Leserbrief verbrämt und darauf hofft, dass der Auftritt von Kunst als verlängerter Arm der politischen Lagebetrachtung des  Nahen Osten eigenes schlechtes Gewissen weiterhin ruhigstellen könnte. Dieses Unterfangen ist gescheitert und als Freund von Lyrik reizt es meinen Brechreflex, genauso, wie es meine politische Haltung herausfordert.
Was gesagt werden muss, muss auch in Form einer Selbstbezichtigung der eigenen Schwächen natürlich noch gesagt werden dürfen. Darf sich aber nicht hinter der unerträglichen Fassade eines Moralapostels verstecken, der die gewichtige Wahrheit hinter den Vorgängen im Nahen Osten und der bitteren Ausweglosigkeit des dortigen Konfliktes durch die Brille des einäugigen Blinden betrachtet,  und mit dem „Ruhm“ eines unvergänglichen Gedichtes versucht, das persönliche moralische Scheitern als Fußnote des eigenen Lebens abzutun.
Wir sind, wen wir beschützen und sind, wen wir bekämpfen. Grass beschützt die politische Elite des Iran und bekämpft die politische Elite Israels.  Das ist wohl Irren auf miesem künstlerischen Niveau und allgemeines Irresein im fortgeschrittenen Alter.

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