Cambridge und Chimäre


St. Catherine's
Cambridge St.Catherine’s Main Court
Das Wetter ist eine Chimäre. Damit ist jetzt nicht die Ziege aus dem Altgriechischen gemeint. Eher dieses Dingsda, dieses Mischwesen und Trugbild. Gestern hat es meinen Hut leicht gelüftet, heute packt es meine wetterfühligen Gelenke, lässt mich frösteln und an den Herbst denken. Sogar die sachten, gestrigen Anflüge erotischer Treibsätze verkommen unter der Grauganshimmelsdecke. Wiehat letztens ein forsches Jungwesen in den Raum gestellt: Nachdenklichkeit sei der Sex des Alters. Ich wusste bis dato nur vom Essen als Surrogat des Sex. Denn wenn es die Nachdenklichkeit wäre, hätte ich Sex im Überfluß schon von Anbeginn meines Daseins und bis zu seinem bitteren Ende. Flugs, ich bin ja nicht faul, bin ich auf der Suche nach schönen Dingen zur heiteren Aufstockung meines Serotonin Spiegels fündig geworden. Ich hatte es hier schon angedeutet und brachte es nun in trockene   Tücher. Cambridge, im August dieses Jahres. Eine Woche, untergebracht in St. Catherine’s College. King’s College war leider schon ausgebucht, im Nachhinein bin ich darum nicht traurig. St.Catherine’s ist ein kleines College, schmuck und ganz um die Ecke von King’s- und Queens‘ College gelegen.
Das Frühstück in der St. Catherine’s Hall, in schönster Ruhe. Der nächste Term beginnt im Oktober. Im August sind im Kalender des Colleges überhaupt keine Termine vorgesehen. Das hat seine Vorteile, ich muss mich nicht zum virtuellen elder undergraduate stilisieren. Den August habe ich mir ausgesucht, weil ich meine Hoffnungen in angenehmes spätsommerliches Wetter setze. Andererseits sollte ich mein Glück diesbezüglich nicht überstrapazieren. Ich kenne England bislang nur von seiner besten Wetterlagenseite.
Obwohl ich davon ausgehe, dass auch in Cambridge lectures gelesen werden, die sich mit der „Chimeara“ der griechischen Mythologie auseinandersetzen. Malcom Lowry hat in St.Catherine’s studiert, bevor er sich mit seinem sensationellen Buch „Unter dem Vulkan“ und unzähligen Eskapaden ins ewige Delirium soff.  Das darf natürlich kein Omen für mich sein. Ich halte es mit Sir Ian McKellen. Auch er unter den Alumni des College und im fortschreitenden Alter immer noch rüstig für die Besetzungslisten des Kinos.
Kategorien:Cambridge, GedankenSchlagwörter: , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: