Aussichten auf Japan


Japan Der Tag des Kopfwirrwarrs. Blauer Himmel, Temperaturen, die den Frühling, in Samtpfötchen schreitend, erahnen lassen. Der Kopf als Pusteblume der Gedanken. Die Samenfallschirmchen der Ideen drehen sacht ihre Runden.Sie lassen sich grazil und daunenfederngleich auf dem Boden der Tatsachen nieder. Tatsachen, die zum Schmiedeblock des Zukünftigen gereichen, oder gegenteilig, zum Klumpfuß des Status Quo.

Und dann. Eine Idee macht sich breit, nimmt Gestalt und Form an, setzt sich in den Arealen der zukunftsgerichteten Erinnerungen fest. Japan. Haiku. Hokaido. Kanji und Shinkansen. Hiragana. Yasunari Kawabata und Schneeland. Yukio Mishima und Haruki Murakami. Kirschblüte und die Liebenden in der alten Kaiserstadt.
Wenn ich bedenke, dass ein eiserner Vorhang durch meine Geisteshaltung und meine Weltbilder führt, dass er mir die touristischen Genüsse an den neuen Bundesländern, am Baltikum und am großen Rest des Osten Europas immer vorenthalten hat, dies alles bedenkend, erscheint mir die Vorstellung einer Reise nach Japan als wagemutige Wiedergutmachung an den erhabenen Reizen des Fremden. Als Quantensprung heraus aus dem behaglichen Mief des Immergleichen und meines steckengebliebenen Hangs zum Risiko. Es ist nicht so, wie es sonst immer gewesen ist. Ich bin ein aufnehmender Schwamm, aber einer, der mit der Lupe der Selektion sich auf das kapriziert, was sich ihm schon seit jeher gefällig präsentiert. Ein Ausbüchsen aus der Gemengelage fossiler Interessen ist mir bisher nie gelungen.
Kurz, es benötigt dazu die Anregungen und die Personen, die mir das Fremde vermitteln und den Wagemut, sich ihm  anheim zu geben, und die mich über die Schwelle neuer kultureller Interessen tragen. Diese Menschen sind ganz in meiner Nähe. Und ihr Begehren hat jetzt bei mir einen Unterstand. Fest ist dieser Unterstand noch nicht. Jedoch hat mich die Idee der Reise am Schlafittchen. Gedankt sei es meinem Sprößling und seiner liebreizenden japanischen Freundin. Gedankt auch seiner Mutter, deren Hang und Drang nach Neuem ich bewundere.

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