Der Stein des Anstoßes

George Berkely George Berkeley war ein englischer Philosoph des 18. Jahrhunderts. Und ich stieß mir heute den Kopf an meiner Wohnungstür. Grund hierfür war das Tragen meiner Sonnenbrille, die ich im düsteren Treppenhaus und im schummerigen Etagenflur zu meiner Wohnung nicht absetzte. Schmerz und Beule fielen also in Eins. Schmerzverarbeitung fällt bei mir stets auf… Weiterlesen

Antimaterie und Gegenwelt

Heute die ersten wirklich sichtbaren Zeichen des Alters. Hinter meiner Billigsonnenbrille versteckt, stolpere ich aus der Straßenbahn in Richtung der gemieteten vier Wände, die mich wie immer mit dem Habitus einer Eigentumswohnung empfangen und die Illusion meines Besitzdenkens befeuern und nähren.In der Straßenbahn las ich, ich kenne es nicht anders. Kein eigenes Fahrzeug zu besitzen… Weiterlesen

Atheismus – Gedanken beim Lesen von Julian Barnes

Das Nachdenken über den Tod wird nicht nach wissenschaftlichen Kriterien geführt. Wenn es so wäre, wäre die Sache schnell erledigt: Wir sterben und daran ändert nichts. Daran ändern weder der Stand empirischer Erfahrung noch das Gesetz der Evolution etwas, und schon gar nicht die Medizin mit ihren lästerlichen Versuchen der Überwindung unserer Sterblichkeit. Jetzt mag es… Weiterlesen

Cambridge und Chimäre

Cambridge St.Catherine’s Main Court Das Wetter ist eine Chimäre. Damit ist jetzt nicht die Ziege aus dem Altgriechischen gemeint. Eher dieses Dingsda, dieses Mischwesen und Trugbild. Gestern hat es meinen Hut leicht gelüftet, heute packt es meine wetterfühligen Gelenke, lässt mich frösteln und an den Herbst denken. Sogar die sachten, gestrigen Anflüge erotischer Treibsätze verkommen… Weiterlesen

Aussichten auf Japan

Der Tag des Kopfwirrwarrs. Blauer Himmel, Temperaturen, die den Frühling, in Samtpfötchen schreitend, erahnen lassen. Der Kopf als Pusteblume der Gedanken. Die Samenfallschirmchen der Ideen drehen sacht ihre Runden.Sie lassen sich grazil und daunenfederngleich auf dem Boden der Tatsachen nieder. Tatsachen, die zum Schmiedeblock des Zukünftigen gereichen, oder gegenteilig, zum Klumpfuß des Status Quo. Und… Weiterlesen

Fremdwörter

Ich liebe Fremdwörter. Ich sammele sie und nehme die Last der Lästereien auf mich, die mir aufgrund des Einsickerns dieser Wörter in die Senkgrube meiner Alltagsrede aufgebürdet wird. Mir ist dagegen noch keine hieb- und stichfeste Replik eingefallen. Einige sammeln Briefmarken und ich will mich nicht entblöden, diesen bedauernswerten Kreaturen vorzuwerfen, dass es damit für… Weiterlesen

Sherlock Holmes, die Grammatik und eine Hinrichtung

Wir haben sie alle schon erlebt, die Momente, in denen man sich um Kopf und Kragen redet. In denen Sinn und Bedeutung des Gesagten im Furor einer falsch verwendeten Grammatik verdampfen, wie ein Tropfen Wasser auf der heißen Herdplatte.  Und wenn sich dann,  im Dialogpartner des Gespräches,  die Arroganz geistiger und logischer Überlegenheit der Sprache… Weiterlesen

Alice Munro – Der Tanz der seligen Geister

Wenn man Hemingway’s „Oben in Michigan“ gelesen hat, ist es ein Schlag ins Wasser, eine Short Story mit dem Titel „Oben im Hotzenwald“ schreiben zu wollen. Es gibt ein Schreiben, einen Ton und Duktus, deren Nachahmung  wünschenswert sein mag, aber im Lächerlichen endet. Wenn ich Alice Munro’s Erzählungen lese, setzt der Herzschlag meiner eigenen Schreibsprache… Weiterlesen