Gestern Abend, gestern Nacht

Ein Trupp im Alter vorgerückter Männer, sechs an der Zahl, bewegt sich mit Vorfreude bewaffnet, wie eine Horde Kosaken auf dem Weg hinunter zum Don, zum Brennpunkt ihrer Begierde, der „Scheune“. Ein hybrides Etablissement zwischen dörflicher Disco und uriger Beize. Unser Trupp wird angeführt von Oberstabsfeldwebel S., einem jovialen, zwischen Gemütlichkeit und trockenem Witz changierenden… Weiterlesen

Schnee

Draußen. Es ist bitterkalt. Es schneit zum ersten Mal seit meinem Aufenthalt. Steter Flockenflug. Kein Lüftchen regt sich, es ist bereits dunkel, im Wäldchen der Ruf einer Eule. Eulenruf und Nebelhorn. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, wären es diese beiden Hintergrundgeräusche, die dem Pfeifen in meinen Ohren eine satte, basslastige Untermalung sein könnten.Ich trage… Weiterlesen

Tage mit Minzkaffee

Mein Vater war weiß Gott kein hervorgehobener moralischer Mensch und diesbezügliche Predigten und Standpauken unterließ er, meiner weißgetünchten, jungfräulichen Erinnerung nach zu urteilen. Bis auf die eine Sache: „Junge, nuschele nicht so, du brabbelst. “ Womit er, Gott weiß es, durchaus Recht bewies.Mein Nuscheln und mein Lispeln sind mir heute noch Stachel im Fleisch und… Weiterlesen

Die Wiederkehr des Immergleichen

So schlimm wie vermutet oder erhofft ist es im bisherigen Aufenthalt der Kur nun doch nicht gekommen. Ich erinnere mich an meine Kindheit, in der ich das eine oder andere „Loch im Kopf“ durch Steinwürfe anderer Buben bezog, im Rausch nachgespielter kriegerischer Auseinandersetzungen.So wie damals empfinde ich auch heute. Loch im Kopf, anfänglich, dann lässt… Weiterlesen

Aufzeichnungen aus einem Totenhaus

  „Wir sind Studenten, verdammt, andere Menschen machen uns die Betten und räumen unsere Zimmer auf. Wir wohnen in mittelalterlichen Zimmern mit getäfelten Wänden. Wir haben Theater, Druckereien, erstklassige Cricket Pitches, einen Fluss, Boote, Bibliotheken und alle Zeit der Welt zur Entspannung, für Spaß und Vergnügen. Welches Recht haben wir, zu maulen und zu mosern… Weiterlesen

Grace

Grace. Dieses besitzergreifende Wort hat von „Liebreiz“ bis „Anmut“ allerlei weitere deutsche Bedeutungen. Um zum Punkt zu kommen: Ich mag es nicht besonders. Es hat für mich vor allem die Konnotation von „Gnade“ und „Gnadenfrist“. Nicht zu vergessen den französischen „coup de grâce“, mit dem ich noch überzeugter auf Kriegsfuß stehe. Gnadenschuß und Gnadenstoß, das… Weiterlesen