Nebel


„Wir begehren das, was wir kennen und sehen“. So oder ähnlich lautete der Satz, der Jodie Foster als Clarice Starling in „Das Schweigen der Lämmer“ auf die finale Spur des Serienkillers führte. Ein eigentlich schönes Motto für all die, die das Begehren hüten wie ihren Augapfel oder sich dabei wie ein Eselchen fühlen, das der Karotte hinterher trabt.
Die Mystiker glaubten, dass wahre Erleuchtung eintritt, wenn der Mensch das Begehren in sich ausgelöscht hat. Irgendwie hat diese frömmige Weisheit für mich den Anstrich der Aufforderung zum kollektiven Selbstmord, wobei wir wieder bei den Serienkillern landen. Wie wir es drehen und wenden, alles dreht und wendet sich ums Sehen und Gesehenwerden. Begierde, Rausch, Hingabe bis zur Selbstaufgabe.
Da heißt es klug und haushalterisch mit der Libido und ihren verwandten Antrieben umzugehen. Und jetzt kommt der Novembernebel ins Spiel. In herbstwinterlichen Zeiten pegelt sich der Hormonhaushalt auf ein für alle Beteiligten erträgliches Maß herunter, oder auch nicht (dieser eingeschobene Satz ist für all die gedacht, die sich jetzt in Betten erst recht feucht-heiß tollen, oder mit ansteigender Leidenschaft Öl auf Leinwand kippen ….. die Folge kann fortgesetzt werden).
Der Nebel jedoch, er behindert das Sehen bis zur Verhinderung und steckt das Begehren in Watte. Ist es aus diesem Grund, dass ich auf den Straßen und in den Cafés nur noch Entrückte und Erleuchtete sehe?

 
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